Mittwoch, 6. August 2008

Schön ist die Welt

Liebes Happy Holiday,

sommerliche Hitze lässt aus verstaubten Erinnerungskisten urlaubsstimmige Stimmung auftauchen mit den dazugehörigen Bildern. Ein Favoritenbild drängt sich auf... ich kann mich entsinnen... ein Schnellzug rattert durch deutsche Idylle im Sonnenschein... durch Felder, Wiesen, Berg und Hain... ich befinde mich tief in den siebziger Jahren... die Deutsche Bahn wirbt für's Reisen mit Lust und einem Kinderchor! Aus tausend Kinderkehlen schallt es froh:

1.
Schön ist die Welt,
drum Brüder, laßt uns reisen,
wohl in die weite Welt, woooooohl in die weeeeiteeee Weeeelllt.

Huhu, das war's! Das ist es! In meinen Ohren klingt ein singend' Chor. Und ich freu mich. Weil ich nämlich verreisen werde. Fieber hat mich gepackt, aber meinen Koffer noch nicht. Koffer packen ist eine ungerne Angelegenheit, die es herauszuzögern gilt. Noch zweimal schlafen und dann! Dann wird der Schnürschuh geschnürt und losgereist!

2.
Wir sind nicht stolz,
wir brauchen keine Pferde,
die uns von dannen ziehn, diiiiiiie uns von daaaaaannen ziiiiiiehn.

Liebes Happy Holiday, wenn ich dann meines Weges ziehe, der Sonne entgegen, lass ich munter meine Seele baumeln an einem Galgenstrick und suche weit hinten am Horizont ein Ziel, für das es sich zu leben lohnt; nach dem es sich zu streben lohnt. Weil ohne Ziel im Leben und auch auf Reisen, kannst du dich eh gleich in den Straßengraben legen. Mein zumindest mal ich. Oder?

3.
Wir steigen hin auf Berge und auf Hügel,
wo uns die Sonne sticht. Woooo uns die Sooooonnne stiiiicht.

Taumelnd tanzend tanze ich durch die schönste Zeit des Jahres. Trunken von Freizeitglück und Sonnenstich. Füttere meine Sinne mit neuen Eindrücken. Beeindruckend bedrückend.

4.
Wir laben uns an jeder Felsenquelle,
wo frisches Wasser fließt. Wooo friiiiiiisches Waaaaasser flieeeßt.

Rastlos reise ich weiter und weiter und immer weiter. Bin ich angekommen, wenn ich angekommen bin? Hitzige Heiterkeit. Wenn Deine Zeit anbricht, liebes Happy Holiday, da wollen wir alle fröhlich sein. Auf deutschen Autobahnen löst sich so mancher Affektstau. Manchmal auch in Wohlgefallen auf.

Liebes Happy Holiday, jawohl, Fieber hat mich gepackt. Fieber und ich meine Koffer und ich marschiere los. Da ist kein Halten mehr und mache mich auf die Suche, dem Glück in der schönsten Zeit des Jahres zu begegenen.

5.
Wir reisen fort,
von einer Stadt zur andern,
wohin es uns gefällt. Wohiiiin es uns gefäääälllllt.

Schöne Ferien!

Deine JellyBean


Mittwoch, 23. Juli 2008

Kommunikatsionsding - Ein Wort zum Donnerstag

Liebe Männerwelt,

nun im abgeklärten Alter habe ich Dich und Deine Helden durchschaut. Ich weiß wie der Hase weht. Klar, es gibt Abende da werf ich mich in Garderobe und auf die Piste. Weil ab und an, ich muß es zugeben: Ich steh gern im Lampenfieber. Aber, und da scheint mir der Hund begraben: Du scheinst mir die Frauen nicht zu verstehen. Was sie wollen. Jede das ihre. Für mich kann ich sagen: Sex und Liebe sind für mich drei verschiedene Welten. Bei mancherlei grobfahrlässigen Kommunikatsionsschwierigkeiten bleibt den Mädels und mir nichts anderes übrig, als gute Möse zu bösem Spiel zu machen. Manche gehen sogar so weit, dass sie nach fadenscheinigen Balzgesängen von zwielichtigen Belzebuben nach hinten ins Kabaret verschwinden. Doch um uns Frauen nicht in Unschuld zu waschen wäre anzumerken, dass wir ebenso wie Du, liebe Männerwelt, ein Opfer der Hormone werden. Testosteron trifft uns wie ein Faustschlag, wir/ich sind geblendet von soviel Männlichkeit. Und in diesen Momenten spielt auf meinen Lippen das Lied: I'm just can't wait until tonight!

Alles klar?

Deine JellyBean

Dienstag, 8. Juli 2008

Herzangelegenheiten

Liebes Herz,

mein Herz. Du sitzt auf der Couch und rauchst eine Zigarette. Du siehst zerzaust aus mein Herz. Die Haare stehen Dir zu Berge. Bei näherer Betrachtung fehlt Dir auch ein Stück. Das kam, weil ein Jemand kam und es sich genommen hat. Der Jemand ist gegangen, hat aber Dein Herzstück mitgenommen. Soll er es behalten. Soll er es behalten?
Du hast auch einiges an Schmissen. Grosse Schmisse, kleine Schmisse, ganz feine Schmisse. Die Schmisse sind allesamt mehr oder weniger gut verheilt und ein jeder Schmiss erzählt eine Geschichte. Von Kämpfen und Liebe, langen Nächten und aufregenden Tagen und Leidenschaft.
Mein Gefühl mag die Leidenschaft. Da ist es relativ kompromisslos. Mein Herz, Du magst die Leidenschaft auch, ich weiß, dicke Kumpel seid Ihr. Und wehe Ihr klönt zusammen. Das sind Zeiten in denen kann ich einpacken und mein Verstand fährt in Urlaub. "Jawoll", sagt mein Verstand.
Du sitzt auf der Couch und rauchst eine Zigarette und hast Dich trotz mancherlei Herzangelegenheiten ganz gut gehalten. Du sitzt da und hast die Beine überschlagen. Wippst mit den Füssen. Du siehst müde aus. Dein Knie ist dick verbunden und einen Kater hast Du. "Hab ich", sagst Du. Du bist nicht gut auf mich zu sprechen, oder? "Nein, ich bin nicht gut auf dich zu sprechen", murmelst Du. Warum? "Warum? Du fischt in trübem Wasser, verschüttest mein Blut". Herzblut.
Du solltest nicht so zickig sein. In letzter Zeit, einer sehr langen, hast Du ja nicht allzuviel zu tun gehabt. Die Angelegenheiten betraffen einen einzigen Jemand. "Und der war kompliziert genung", grunzt Du und nimmst einen tiefen Zug. Willst Dich wohl mit Nikotin betäuben, hä? "Der war unklar, wie trübes Wasser, auf die Fresse gefallen bin ich, weil ich den Boden unter den Füssen nicht sehen konnte vor lauter trüb! Kein Mensch schluckt das! Ich darf den Sch... ausbaden!"


Das Trüb sitzt in der Ecke und bläst in ein Horn.

Jetzt mal langsam, Du hast mir doch gesagt: Lass den rein. Lass den in einer meiner Kammern wohnen. Oder täusch ich mich da? "Da täuscht du dich gewaltig", maulst Du mich an, "der Typ hat eingeschlagen wie eine Bombe, nix mit höflich hereinbitten!" Du bist ganz schön aufgeregt, springst auf. "Autsch", zischt Du. Ich weiß, Dein Knie. Du humpelst vor mir auf und ab und schüttelst Deine kleine Faust dabei.


Das Trüb sitzt in der Ecke und bläst in ein Bockshorn.

Ja, da muß ich wohl ehrlich sein. Der Jemand hatte wirklich eingeschlagen. Wir hatten beide keine Chance. Du und ich.
"Einen totalen Kollateralschaden hat der angerichtet, schau mich doch an!" Oh, jetzt seh ich, Du hast ja auch noch ein Pflaster über dem Auge. "Eben", sagst Du.
Und jetzt?
"Nie wieder", sagst Du. Sehr entschlossen. "Da widerspreche ich", muckt die Leidenschaft. "Ich widerspreche auch", meldet sich der Vestand, "es wäre unvernünftig".
Ich leg bei NIE WIEDER auch ein Veto ein. Dafür bin ich zu romantisch. Außerdem will ich Dich nicht per Infarkt dahingerafft sehen, wenn Du Dich verkrampfst.
"Und wofür das dann alles?", fragst Du müde.

Wofür?

Weil er es wert wahr.

Deine JellyBean

Donnerstag, 22. Mai 2008

Explosive Herzlichkeit

Liebes Geheimnis,

die Welt ist voll von Dir und Deinen Verwandten. Die Menschlein munkeln ob meiner Schreibstarre, aber auch das fällt Dir anheim. "Siehe die Zeichen", ein Satz aus uralter Zeit. Auch ich kann mich dem nicht entziehen. Wenn Wünsche an meinem Herzen nagen und Angelegenheiten, die gelöst werden wollen, versuche ich mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und Antworten in Symbolen und Zeichen zu finden. Ein verflogener Vogel starb in der Wohnung der Nachbarin. Sie meinte: "Was für ein schlechtes Omen." Sie sollte recht behalten. Aber das ist eine andere Geschichte und der Tag soll keinem trübsinnig gestaltet werden. Ein verflogener Vogel lag ohnmächtig in meiner Wohnung. Ja, wir leben von Bäumen umgeben in einem hübschen Haus. Der Vogel erwachte und flog zum Fenster hinaus. Suchte vorher Ruhe auf meiner Hand. Was für ein Omen?

Ich liebe Geheimnisse. Geheimnisvolles. Mystisches. Ich liebe das Pendel, mit dem ich oft schwatze. Und in Tarotkarten lese ich Romane. Weil meine Meinung ist, dass Geheimnisse da sind, um gelüftet zu werden. Jawohl, liebes Geheimnis. Ich seh Dich vor meinem geistigen Auge gut gelüftet auf einer Wäscheleine im Wind flattern. Mit Sonnenschein dazu. Grad so wie in der Fernsehwerbung. Und wenn Du grad so, manchmal, dabei bist Dich zu lüften und an Deiner Hand das Symbol zum Mittler wird, kann das ganz schön verletztend sein.

Einer mir nahestehenden Freundin hast Du Dich sehr offensichtlich mitgeteilt. Liebeskummergebeutelt und beziehnungszweifelnd nahm sie an einem Jungesellinnenabschied teil. Es sollte ein froher Abend werden und das junge Glück mit prickelder Flüssigkeit begossen werden, auf das es wächst und wächst. Der Freundin Geist war anwesend, aber ihr Herz war es nicht. Das sprach mit den Gefühlen und bat um Antwort bezüglich ihrer eigenen Beziehung. Dabei blies sie, um das Ambiente freundlich zu gestalten, einen Luftballon auf. Mit ihrem Mund und voller Lunge. Einen roten. Eine Herzform. Gross, prall und schön sollte er werden. Noch die Lippen am Gummi und pustend, explodierte das Luftherz und schnalzte ihr ins Auge. Ins linke. Blind im ersten Moment. Tränen. Eine Hämatom am Augapfel. Können Symbole deutlicher sein?

Drum liebe Menschlein, achtet die Zeichen!

In geheimnisvoller Ergebenheit,

Deine JellyBean

Donnerstag, 10. Januar 2008

Total von der Rolle


Liebes Schwaben,


die "Nochbrä" isch grad weg und in meinem CDPlayer weint Peter Licht, den jeder irgendwann einmal in seinem CDPlayer weinen hören sollte. So, was isch jetzt Fakt? Fakt isch das heute wieder einmal ein sensationeller Abend war. Mit der "Nochbrä". Die "Nochbrä" ischt sozusagen Familie und auch schwäbisch. Nicht bayrischschwäbisch wie ich, sondern tiefstes Baden-Württemberg, aber da ich praktisch Grenzländerin bin, gebürtig, kann ich mich wunderbar mit ihr unterhalten. Im Heimatdialekt. So.


Also, wir beschlossen einen Abend gemeinsam zu verbringen. Da wir Tür an Tür wohnen stellte sich die Frage: Zu mir oder zu dir? Es war zu mir. Da gab es aber kein Bier. Und, Laster Laster, keine Zigarretten mehr. Somit rein in den Supermarkt. Bier in ihrer Hand, Orangensaft in meiner und... Klopapier war uns beiden ausgegangen. Die "Nochbrä" entdeckte ein Supersonderangebot für 16 Rollen à 150 Blatt zu 2,99. Ich entdeckte Stammpapier zu 8 Rollen à 200 Batt zu 1,85. Weil wir jetzt schwäbisch sind, beide, und uns Schwaben eine extreme Sparsamkeit nachgesagt wird ischt es unser Pflicht, besser war es, der Sache genauer auf den Grund zu gehen. Weil es ischt auch möglich, daß man bei Sonderangeboten ins Klo greift und alles gar nicht stimmt und man gar nicht Sonderangebot kauft. Fakt ischt, daß sich ergeben hat: 16 Rollen à 150 Blatt koschten pro Blatt 0,00125 Cent und 8 Rollen à 200 Blatt koschten pro Batt 0,00116 Cent. Die 16 Rollen kommen auf 0,19 Cent pro Rolle, die 8 Rollen kommen auf 0,23 Cent pro Rolle. Das ischt jetzt mehr pro Rolle, aber auf das Blatt gesehen spar ich mir da eine erhebliche Menge an Geld.


Die Rolle ischt ein 3-lagiges Papier. Die "Nochbrä" hat mir mitgeteilt, daß sie grundsätzlich von dem 3-lagigen Papier total abgekommen ischt, weil nämlich sie benutzt eigentlich nur noch 4-lagiges, weil das im Endeffekt gesehen erheblich mehr spart, weil man da nicht mehr soviel abrollen muß. Jetzt stellt sich aber die Frage welcher Abrolltyp man ischt. Diese Frage sollte jeder von Euch, liebe Menschlein, selber beantworten.


In jedem Fall haben die "Nochbrä" und ich jeweils eine Rolle 3-lagiges getauscht, um auch die Qualität des Papieres zu teschten. Aber des ischt nochamal a ganz andere Gschicht.


Der Abend verlief weiter folgendermaßen: Wir haben uns in die Numerologie vertieft. Still vor uns hin unsere Lebenszyklen ausgerechnet, was da wohl in der nächsten Zeit noch so kommen mag, weil planen muß man. Und dann haben wir gefachsimpelt. Pils um Pils. Zigarette um Zigarette. Und wir haben uns für morgen früh verabredet. Zu einem Kaffee mit einem Röhrle drin.


Dann isch mir des Mäusle vorgflitzt und dann hat sie gsagt: "Jetzt geh i hoim."


Bei Seidewürschtle, die Bayernschwaben sagen Wienerle, und Bier: Ein unbezahlbarer Abend.


Ein hoch auf Schwaben!


Deine JellyBean

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Zwei Nüsse für Chriswald



Liebes Singeldasein,

ist es die Traurigkeit, die uns besinnlich macht?
Lange war ich ja nun nicht mehr am liebesbriefen. Hab wahrlich nicht mit der Pause geküsst. Mir andere Dinge einfallen lassen, mir die Zeit vertrieben, aber Du warst immer da: Das Singeldasein.

In der besinnlichen Vorweihnachtszeit saß ich nun auf der Couch, inmitten von Freunden und -innen. Ebenfalls alle mit Dir gesegnet. Auf der Leinwand vor uns der schönste Weihnachtsfilm, der je gedreht wurde, auch wenn die Kostüme allesamt an einen Kostümbildner auf Pilzen erinnerten. Selbstverständlich bekommt der Prinz die Prinzessin und das Böse geht baden. So ist das richtig. Natürlich gab es Komplikationen vorher, aber die Liebe siegt und hoch zu Ross wird in den aufgehenden Morgen geritten. Seufz.


Es liegt auf der Hand, daß im Anschluss eine Diskussion entbrannte über Paarungsverhalten und -schaften und was mit uns los sei. Waren oder sind wir, die da saßen falsch gepolt? Hochneurotisch? Häßlich? Riechen unangenehm und keiner hat es bislang gemerkt? Nicht wirklich waren diese Theorien der Weisheit letzter Schluß. Schließlich passt auf jeden Topf der richtige Deckel. Besingt zumindest eine alte Volksweisheit. Gegenseitig haben wir uns bestättigt, daß das Deo hält.

Immer mit einem offenen Auge für Lieblichkeiten beobachte ich den Niedergang der Paarung in meinem Umfeld schon länger. Eine starke Zunahme an Singeldasein ist zu vermerken. "Vielleicht weil ich so praktisch bin?", sagst Du. Praktisch bist Du nicht. Manchmal vielleicht. Manchmal aber auch nicht. "Vielleicht weil in Großstädten eine so starke Reizüberflutung an attraktivem Angebot herrscht?", philosophierst Du. Da kann ich abermals nicht mitgehen, mit Deiner Theorie. Eine Reizüberflutung eventuell für die Jungs, aber ganz gewiß nicht für die Mädchen. Die Erfahrung lehrte mich und nicht nur mich, diejenigen welchen, die wirklich schnuckelig sind, sind schon per Ring vom Markt geeist. Dann tabu. Diejenigen welchen, die halbschnuckelig sind und noch zur Diskussion stehen, weisen nach einiger intensiver Betrachtung Schäden im Lack auf. Und wir sprechen hier nicht von ein bißchen Kratzer im Lack, sondern von gut getarnten, schweren Unfallschäden, die in der Sonne betrachtet unübersehbar und nicht gesellschaftsfähig sind. Diejenigen welchen, die sich für schnuckelig halten, sind schlichtweg Erdnußsynapsen. Jedes Gespräch erstirbt in den Wortansätzen. Um ehrlich zu sein, glaube ich, daß es den Jungs nicht so viel besser geht im Falle echter Paarungswünsche.

"Das sind jetzt aber harte Worte, kein Wunder das Du mich hast", bemerkst Du. Fies jetzt. Bin ich wirklich so eine Zicke geworden? Auch schon singelverseucht und schrullig? Schwierig jetzt... ich weiß nicht. Die eine oder andere Schrulle ist da schon zu verzeichnen... Ich war ja auch mal gepaart. So ist das nicht. Und die Gründe, warum das nicht mehr so ist fallen mir sofort ein. Und schon entscheide ich mich wieder für Dich.

Singeldasein ist ja auch gut. Du hast mir unendlich viel gebracht. Viel gelernt und wir hatten eine Menge Spaß. Solchen, den ich jetzt gepaart nicht gehabt hätte. Außerdem heißt das ja auch nicht, daß man diverse Herzkammern nicht nicht vermieten könnte. Ich hab jemand zur Miete.

Trotzdem, Adventszeit mit romantischer Beleuchtung und Christkindlmarkt als Singel: Trainigslager. Mutig zu sein, der Traurigkeit ins Auge zu blicken und zu sagen: Was will ich wirklich? Und schon wird man besinnlich.

Hoffentlich bin ich Dich nächstes Jahr um diese Zeit los.
"Wenn Du so weiter machst, geh ich von allein!", empörst Du Dich.

Hoffentlich.

Schöne Weihnachten Euch allen, liebe Menschlein! ... und Dir natürlich auch.

Eure und Deine JellyBean

Freitag, 2. November 2007

Neulich bei Beate


Liebe Beate,


Du hast eine neue Boutique eröffnet. In einer meiner Lieblingsstrassen. Erstaunt war ich und begeistert. So ein ansprechendes Ambiente hatte ich Dir gar nicht zugetraut. Dennoch, die Schwelle Deine Ladentür zu durchschreiten schien mir angesichts meiner meterhohen Hemmungen unerklimmlich. Trotzdem studierte ich aufmerksam Deine Warenauslagen im Schaufenster. Sonnenbrillengetrant. Rätselnd stand ich da. Die Neugier hatte mich im Nacken gepackt. Ich widerstand ihr... vorerst.


Es trug sich zu das eine Freundin von mir Geburtstag hatte. Eine sehr sehr gute Freundin. So eine, vor der man keine Geheimnisse hat und die erst recht nicht nach Proseccogenuß am Küchentisch. Den Prosecco in der Regel am Abend. Weil wir nun schon zahlreiche Küchentischabende zusammen verbracht hatten und ebenso zahlreiche Geheimnisse ausgetauscht hatten und eben die Freundschaft schon so lang ist, gesellte sich zu den Gedanken über ein geeignetes Geburtstagsgeschenk eben auch die Frechheit.


Was schenkt man einer Freundin? Einer Freundin, die alles hat, sogar ein Kind und ein Auto und einen Job und eine Wohnung und einen guten Geschmack und tolle Klamotten und eigentlich auch genug zu essen? Nur einen Mann hat sie keinen. Dummerweise war der kurz vorm Geburtstag aus dem Leben geflogen. Schlechtes Timing.


So wollte es das Leben, daß ich da eben in dieser Geschenkeüberlegzeit wieder meine Lieblingsstrasse entlang ging und bei Dir landete. Liebe Beate, die Erleuchtung traf mich einen Meter vor Deiner Ladentür. Die Erleuchtung war leider so gut, daß ich den schweren Gang in das Ladeninnere antreten mußte. Mir blieb nichts anderes übrig. Also, tief durchatmen, Sonnenbrille ins Haar (ich wollte mich nicht zum kompletten Trottel machen) und durchmarschiert. Die Neugier jubelte, die Frechheit tanzte, die Scham meinte nur: "Hoffentlich treffen wir nicht jemanden uns bekanntes."


Das Innere, liebe Beate, ein Traum in rosa! Soviel mädchengeschmack hätte ich Dir gar nicht zu getraut. Ich dachte immer Du bist mehr Herrenfixiert. Es gab dort Dinge zu sehen, wie ich sie zwar kannte, aber in dieser Form nie gesehen hatte. Dinge von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Geschweige denn was damit anzufangen war. Unter anderem auch das Rätsel aus der Schaufensterauslage. Eine Wendeltreppe schlägelte sich sanft in ein dunkel gehaltenes Stockwerk hinauf. Der Teil der Boutique, in dem sich alle auf Covers und DVD-Hüllen umarmen. Ein Mann schlängelte sich übergewichtig und schüchtern die Wendeltreppe hinab, die ihm glücksverheisende Beute fest an sich gedrückt...


Die sehr sehr junge Verkäuferin war hervorragend nett. Aber 18 mußte sie bestimmt sein. Eine Dame mittleren Alters stand unschlüssig herum. Ihre Anspannung war kaum zu übersehen, was mich gleich wahnsinnig entspannte. Die Neugier führte mich sicheren Schrittes durch Deine geheimnisvolle Welt.


Die sehr sehr junge Verkäuferin fragte mich, ob ich zurecht käme. Oh ja, das kam ich. Die Dame mittleren Alters vertraute sich der sehr sehr jungen Verkäuferin an. Einen geeigneten Zauberstab kauft man nicht einfach so. Da tut Erfahrung not. So ist das halt mit dem Suchen und Finden des richtigen Intimpartners. Nach Ewigkeit anmutenden Minuten des Staunens landeten die sehr sehr junge Verkäuferin, die Dame mittleren Alters und die mit der Sonnenbrille im Haar (also ich) vorm selben Regal. Wir wollten dasselben. Alle wollen immer nur das Selbe. Glück und Liebe. Und wahrscheinlich gehört ein bißchen Geborgenheit auch dazu.


Die Dame mittleren Alters fragte mich nach meiner Meinung. Beate, bei Dir im Shop aufeinander zu treffen... das ist wie am FKKstrand den Bauch einziehen. Schummeln geht nicht. Ich sagte der Dame mittleren Alters, daß ich den Maulwurf zwar ganz nett, aber nicht ganz passend finde, aber das Modell "natur" in grün finde ich sehr hübsch. Sie bedankte sich. Ach ja, ich war ja da wegen dem Geburtstagsgeschenk. Ich entschied mich für den absoluten Klassiker. In gold. Goldfinger you know. Bezahlen, raus, Sonnenbrille auf die Nase. Puh. Ich war sehr stolz auf mich.


Ach ja, beim Bezahlen lag das Rätsel aus dem Schaufenster unter der Glasplatte im Ladentresen. Der sehr sehr jungen Verkäuferin sei Dank konnte dieses Geheimnis gelüftet werden. Ich hab dazu sogar eine Infobroschüre mitgenommen. Ist aber nix für mich.


Und meine Freundin... die hat sich echt und ehrlich und mit Tränen in den Augen über ihr Geschenk gefreut. Es funktioniert auch gut, wie sie mir an einem Küchentischproseccoabend gestand.


Beate, ich danke Dir tausendmal für Abenteur und rosa.


Deine JellyBean